Kuba   

Marline auf die klassische Art

Seit einigen Jahren besuche ich Kuba regelmäßig und habe im Laufe dieser Zeit mit vielen Fischern Freundschaft geschlossen. Im  Sommer 1999 war es mir zum ersten Mal möglich, mit ihnen zum Marlinfang hinauszufahren und mir die Fangmethoden aus nächster Nähe anzuschauen. Viel scheint sich seit den Zeiten des von Ernest Hemingway beschriebenen "alten Mannes" nicht geändert zu haben. Zwar benutzen die Fischer heute Motor- statt Segelkraft, doch die Fischereiausrüstung mutet nach wie vor archaisch an. Auf großen Holzspulen lagern hunderte Meter stärkster Angelschnur (Wäscheleinenstärke). Im Abstand von etwa 50 Metern sind große Karabinerhaken an der Schnur befestigt, in die mit Luft gefüllte Kanister eingehängt werden können. Sie dienen dazu, einen großen Marlin müde zu machen, je mehr Schnur der gehakte Fisch abzieht, um so mehr Kanister werden eingehängt. Gefischt wird mit lebenden Köderfischen, meist Bonitos, die an Haken der Größe 8/0 bis 10/0 aufgesteckt werden.  Die Montage ist denkbar einfach. Der Köderfisch wird in etwa einem Meter Tiefe angeboten. Als Schwimmer dient ein Luftballon. Hat ein Marlin oder Segelfisch gebissen, warten die Fischer, bis die Beute geschluckt hat. Kleine Fische werden mit gemeinsamen Kräften an Bord gezogen, größere müssen in oft über Stunden andauernden Kämpfen bezwungen werden. Ein Blick auf die vernarbten Hände der Fischer zeigt, daß sie schon einige Giganten niedergerungen haben müssen.

Während meiner Ausfahrt erbeuteten wir einen Segelfisch der 50 Pfund-Klasse. Zwar waren die Fischer nicht besonders zufrieden, schließlich fahren sie stets zu dritt hinaus und müssen sich den Erlös der Beute teilen, doch für mich war eine Ausfahrt mit Berufsfischern ein phantastisches Erlebnis, konnte ich doch - wenn auch nur im Kleinen - den Kampf Mann gegen Fisch hautnah erleben.

 

Die Marina Hemingway

Der Yachthafen im Osten Havannas hat seit einigen Jahrzehnten einen exzellenten Ruf als Ausgangsbasis zum Marlinfischen im Golfstrom. Was die Ausstattung der Charterboote anbelangt, ist die Marina Hemingway im internationalen Vergleich sehr guter Standard (prima Boote, Penn- und Fenwickruten, Penn Senator und Everol Rollen). Auch die Jungs auf den Booten verstehen ihr Handwerk. Die Fangergebnisse sind ausgezeichnet. Wohl nirgendwo auf der Welt ist die Wahrscheinlichkeit, einen Blue Marlin an den Haken zu bekommen größer als im Golfstrom vor Havanna. 

Aber trotzdem ist ein Hochseeangeltrip nach Kuba nur unter Vorbehalt zu empfehlen. Denn wer sich auf eigene Faust zum Big Game Fishing in die Marina Hemingway begibt, kann in zweierlei Hinsicht sein blaues Wunder erleben. Zum einen erwartet ihn eine gute Fischwaid, zum anderen lauern aber auch böse Überraschungen, die im sozialistischen Schlendrian des kubanischen Systems begründet liegen. So kommt es beispielsweise einem Lotteriespiel gleich, die Marina telefonisch zu erreichen. Auch lassen sich keine zuverlässigen Preisangaben für die Boote machen. 1997 bezahlte ich für eine sechstündige Ausfahrt mit der Coral Negro noch 225$, 1998 waren es bereits 315$ und 1999 mußte ich 350$ auf den Tisch des Hauses blättern. Beim momentanen Kurs des US-Dollar ein nicht unbeträchtlicher Unterschied.

"Papa" Hemingway auf Kuba

In seiner berühmten und Nobelpreis gekrönten Erzählung "Der alte Mann und das Meer" schilderte Ernest Hemingway den ungleichen Kampf zwischen Mensch und Riesenmarlin. Hemingway war selbst der Sucht des Hochseefischens verfallen. Er lebte mit Unterbrechungen von Mitte der dreißiger Jahre bis 1960 in Havanna. "Papa" Hemingway, wie er noch heute liebevoll von den Kubaner genannt wird, entdeckte den Golfstrom vor seiner Haustüre als erstklassiges Angelrevier. Fast täglich fuhr er mit seinem Boot - Pilar - hinaus zum Fischen. Heute steht die Pilar im Hemingway Museum in Havanna, wo auch sein Angelgerät ausgestellt ist. Hemingway nahm vor allen Dingen wegen der exzellenten Fischwaid auf der Insel seinen Hauptwohnsitz. Seinen ersten großen Marlin fing er 1933, der Fisch wog 468 Pfund. Das alljährliche Hochseepreisangeln in der Marina Hemingway trägt seit 1950 seinen Namen. 1960 nahm er zum letzten Mal an diesem wohl berühmtesten Angelwettbewerb der Welt teil, in jenem Jahr hieß der Sieger Fidel Castro. 

Denn ganzen Artikel über das Big Game Fishing auf Kuba finden Sie im Blinker-Buch Big Game:

 

  Reisen zum Fischen auf Kuba finden Sie hier:

www.urlaub-im-web.de/kuba.html

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