Sulawesi   

Der Weg ins Totenreich

Auf der indonesischen Insel Sulawesi finden noch heute archaische Beerdigungsriten statt, denen ein fremder Besucher, bei gebotener Zurückhaltung, durchaus als Gast beiwohnen darf.

Anders als auf den meisten anderen Inseln Indonesiens, werden die Häuser der Toraja auch heute noch im traditionellen Stil erbaut. Die abseits der befahrbaren Straßen gelegenen Dörfer können nur nach oft stundenlangen Fußmärschen erreicht werden.

Im schwer zugänglichen Hochland von Sulawesi liegt das Torajaland. Hier scheint die Zeit vor hundert Jahren stehengeblieben zu sein. Die Menschen leben nach alten Sitten und Riten, von denen sie trotz zunehmendem Tourismus nicht abweichen. Wichtigster Bestandteil ihrer Kultur ist die würdige Bestattung der Verstorbenen.

Im Glauben der Toraja ist das Leben im Diesseits nur ein Übergang, allein das Leben im Jenseits ist von Bedeutung. In ihrer Vorstellungswelt verbleiben die Toten auf der Erde und müssen sich auf die gefahrvolle Reise ins Puya begeben, dem Vorhof der Oberwelt. Puya kann nur erreicht werden, wenn die dazu erforderlichen Rituale von den lebenden Verwandten durchgeführt worden. Nur wer nach Puya gelangt, erhält die Möglichkeit, auf den Berg Bambapuang zu gelangen, um von dort in die Oberwelt aufzusteigen. Die meisten Verstorbenen erreichen zwar Puya, aber sie gelangen nicht in die Oberwelt. Sie leben dann zusammen mit den ins Grab genommenen Opfern in Frieden in Puya. Für die Lebenden können jedoch diejenigen Toten gefährlich werden, zu deren Bestattung keine oder zu wenig Opfergaben erbracht wurden. Ihre Seelen müssen weiter auf der Erde unter den Zurückgebliebenen herumirren, bis der erforderliche Tribut erbracht wurde.

In der animistischen Religion der Toraja wird der allmächtige Gott Puang Matua verehrt, der die Erde und die Menschen schuf. Neben diesem Gott bevölkern auch die Dewate, die Geister der Verstorbenen, ihre Umwelt. Den Geistern muss ständig geopfert werden, um sie bei Laune zu halten, denn sie bestimmen über das Schicksal der Lebenden. Für die Dewata genügen Hühner und Schweine als Opfertiere. Puang Matua hingegen müssen Büffel geopfert werden

Für europäische Augen ist das Büffelopfer ein grausames Schauspiel.

Proviant für die Beerdigungsgäste. Ein Schwein wird zum Festplatz transportiert.

Dem Tod begegnet man auf Schritt und Tritt.  An den Begräbnisstätten liegen die Knochen der Vorfahren in offenen Särgen.

Informationen

Rantepao ist die "Hauptstadt" des Torajalandes. Was vor 15 Jahren noch ohne indonesische Sprachkenntnisse ein Abenteuer war, lässt sich heute vor Ort praktisch und beinahe pauschal erledigen. In Rantepao finden sich ausgezeichnete Führer, die das Gebiet wie ihre Westentasche kennen und auch wissen, wann und wo eine der spektakulären Beerdigungen stattfindet. Doch es gehört bei einer Reise ins Torajaland schon eine Portion Glück dazu, will der Tourist Zeuge einer der aufwendigen Begräbnisfeierlichkeiten werden, denn zu den Festen wird die gesamte Verwandtschaft des Verstorbenen eingeladen und es müssen je nach Kaste des Verblichenen bis zu einhundert Büffel geopfert werden. Diese kostspielige Inszenierung bedarf oft jahrelanger Vorbereitung, so dass ein Begräbnis nicht selten erst mehrere Jahre nach dem Tode vollzogen werden kann. Während der "Wartezeit" wird der mumifizierte Leichnam im Hause der Familie aufgebahrt.

Anreise

Die Provinzhauptstadt Ujung Pandang ist der Verkehrsknotenpunkt für den östlichen Teil des indonesischen Inselreiches und wird von Jakarta aus täglich angeflogen. Das Torajaland liegt 330 km nördlich von Ujung Pandang. Die Fahrt mit dem Überlandbus von Ujung Pandang nach Rantepao dauert etwa 10 Stunden.

Unterkunft

In Rantepao und Umgebung finden sich Hotels in allen Preisklassen. Luxusherbergen wie auf Bali sucht der Reisende hier allerdings vergeblich. Die Zimmer kosten zwischen acht und 30 Euro.

"Versteckt" im Hochland von Sulawesi liegen die ursprünglichen Ansiedlungen, in denen es auch heute noch keinen elektrischen Strom gibt.

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